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Vom Baum zum HighTech-Produkt - Tradition und Handwerk aus dem Schwarzwald

Am Anfang war der Wald. Und dieser bestand aus Bäumen – zum größten Teil jedenfalls. Im Falle des Schwarzwaldes waren es seit geraumer Zeit zu einem bedeutenden Anteil Nadelhölzer, also vor allem Fichte, Tanne und Kiefer, die in tieferen Lagen vom Mischbuchenwald abgelöst wurden. Sie gaben ihm den Namen: „Saltus Svarzwald“ – „der schwarze Wald“ ...
Nahezu geschlossen gestaltete sich die ehemalige Waldfläche, wobei sich noch heute die Professoren darüber streiten, ob die Feldberg-Gipfel nicht doch ursprünglich waldfrei waren. Eines indessen ist sicher: wer hier einmal Fuß gefasst hatte, der musste sich den Wald so gut wie möglich zunutze machen. Und darauf verstanden sich die Schwarzwälder ausgezeichnet.
Bereits seit dem 10. Jahrhundert schafften sich die ersten Siedler ordentlich Platz: sie rodeten große Flächen, legten Moore und Überschwemmungs-Auen trocken und begannen, den Schwarzwald mit Feldbau und Viehzucht zu bestellen, sowie mit Bergwerken zu unterhöhlen. Der Schwarzwald gab reichlich her: Silber und Eisenerz wurden aus seinem Bauch zu Tage gefördert und belebten den Handel. Das viele Holz direkt vor der Türe war geeignetes Baumaterial. Es entstanden die typischen Schwarzwaldhöfe mit ihren Fachwerkbalken, den tief herabgezogenen Strohdächern und hölzernen Schindelfassaden. Besonders eindrucksvolle Exemplare wurden unter Denkmalschutz gestellt und finden sich in einem ansehnlichen Arrangement in Freilichtmuseen wieder oder „überlebten“ vor Ort, wo sie als Museum restauriert und hergerichtet wurden. Auch einige alte Mühlen, wie sie zur Verarbeitung von Holz, Getreide oder Ölsamen verwendet wurden, finden sich noch im Schwarzwald. Wenige von ihnen sind noch immer (zeitweise) in Betrieb ...
Was die Nutzung und Anpflanzung einzelner Baumarten anging, waren schon immer einige beliebter als andere und wurden gefördert ... Weit über die Grenzen des Schwarzwaldes hinaus berühmt wurde der „Holländer-Michel“, der seinerzeit mit riesigen Flößen Holz für den Schiffsbau vom Schwarzwald ins ferne Holland verfrachtete ...
Viele Spuren der Geschichte finden sich noch heute in Waldabschnitten, sofern der Wanderer ein geübtes Auge dafür hat. So deuten im Wald gelegene, hügelartige Aufschüttungen am Rande eines Weges und zugleich in der Nähe eines Wasserlaufs auf ehemalige Kohlenmeiler hin ...
Pottasche brachte beim späteren Verbrennen im Ofen die hohen Temperaturen, die nötig waren, um Glas oder Eisen zu schmelzen. Und damit wären wir bereits bei zwei weiteren traditionellen Schwarzwald-Handwerken angelangt: der Eisenverhüttung und der Glasbläserei ...
Holz war und ist jedoch weit mehr als bloßes Bau- und Brennmaterial. Es lässt sich mannigfaltig zu Kunstwerken verarbeiten, wie die Schwarzwälder Uhrmacher – allen voran mit ihrem Geniestreich von der Kuckucksuhr mit dem kleinen beweglichen Vogel im Innern –, die Drechsler, Schreiner und Holzfiguren-Schnitzer beweisen ...
Holzgeschnitzte Narrenmasken, Larven oder Schemen, wie sie auch genannt werden, gehören zu den kunstvollsten Produkten, die die schwäbisch-alemannische Fasnet hervorgebracht hat ...
Wo närrisches Treiben und gemütliches Beisammensein zu Hause ist wie im Schwarzwald, da darf auch der Schnaps nicht fehlen. Zahlreiche Hausbrennereien im Schwarzwald sicherten sich schon früh ihre Brennrechte und verarbeiteten alles, was das milde Klima hergab ... Mit Obstbränden verfeinert wird noch heute gerne der Schwarzwälder Schinken; eine Schwarzwälder Kirschtorte wäre ohne Kirschwasser gar nicht denkbar.
„Schwarzwälder Art“ heißt in der Sprache der Gastronomie meist „mit Speck und Pilzen“. Während die typischen Pilze ursprünglich aus dem Wald stammen, geben die Speck liefernden Schweine ihre beste Qualität ab, wenn sie im Freiland gehalten werden. Folglich muss der Schwarzwald über ausreichend offenes, waldfreies Gelände verfügt haben – oder der Platz dafür wurde geschaffen ... Der Anbau von Reben für die reichhaltige Palette an einheimischen Weinen wäre ohne Abholzung weiter Flächen und günstiges Klima nicht denkbar gewesen ...
Auch vor berühmten Autorennen hat die Geschichte des Schwarzwaldes nicht Halt gemacht ... Ein Tüftler aus dem Hotzenwald erfand und erprobte regional das erste Elektroauto, den „Hotzenblitz“ ...
Ein lehrreiches Ausflugsziel für Gruppen und Schulklassen bietet der dort angelegte Energielehrpfad ... Mittlerweile bietet der Schwarzwald Anschauungsmaterial und Modellobjekte für jegliche Form alternativer Energiegewinnung und -Nutzung ...
Einen großen Namen haben sich Schwarzwälder Handwerker auch in der Feinmechanikindustrie und im Präzisionsmaschinenbau erworben. Nach der Bauernuhr mit ihrem Blechschild eroberte die Kuckucksuhr vom Schwarzwald aus den Weltmarkt ...
Der Schwarzwald war und ist in vielen Projekten Leitfigur und Vorzeigeobjekt. Doch auch alte Traditionen und Brauchtümer konnte er sich in vielen kleinen Nischen bewahren: vom Schäferlauf in Wildberg bis zu den internationalen Schlittenhunderennen, vom Strohflechten bis zum Klöppeln in traditionellen Bauernstuben ... Manche Tätigkeiten sind heute gefragter denn je.

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Ort:Startfrei Reinhold Wagner
Freiburg
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